Das gleiche Muster, zwei Orte, zwei Bedeutungen
Ein Kerzenmuster beschreibt, was in den letzten Minuten passiert ist, mehr nicht. Ob der Ort im Chart daran etwas ändert, kann man selbst prüfen. Dafür reichen zehn Minuten am Abend, neben dem Job.
Wer am Abend durch den Intraday-Chart des Tages scrollt, findet regelmässig mehr Muster, als der Tag Bewegung hatte. Ein Hammer am Vormittag, ein Umkehrstab kurz nach der Eröffnung, irgendwo dazwischen etwas, das wie eine Flagge aussieht. Zwei davon standen an einer Stelle, an der der Kurs schon am Vortag gedreht hat. Die anderen standen mitten im Chart, auf halbem Weg zwischen Tageshoch und Tagestief.
Auf dem Bildschirm sahen alle vier gleich aus. Genau das ist die Falle. Man sieht die Form, aber nicht, wo sie steht.
Ein Muster beschreibt die Vergangenheit, nicht die Zukunft
Ein Kerzenmuster ist nichts Geheimnisvolles. Es ist eine verdichtete Beschreibung dessen, was in den letzten paar Minuten oder Stunden passiert ist: Der Kurs ist gefallen, jemand hat ihn zurückgekauft, am Ende stand er wieder oben. Das ist eine Tatsache über die Vergangenheit. Über das, was danach kommt, sagt die Form allein nichts.
Der Grund ist simpel: Die gleiche Form entsteht aus sehr unterschiedlichen Situationen. Ein Hammer am Tagestief heisst, dass Verkäufer den Kurs an einer Stelle, an der schon einmal gekauft wurde, nicht halten konnten. Der gleiche Hammer mitten in einer ruhigen Mittagsspanne kann schlicht heissen, dass ein paar Aufträge durchgelaufen sind, während kaum jemand am Markt war. Die Form ist identisch, die Ursache eine ganz andere.
Wer nur die Form lernt, lernt ein Vokabular ohne Grammatik.
Der Ort zeigt, wem eine Stelle wehtut
Hinter dem Blick auf den Ort steht eine Überlegung: An einer Marke sind Leute mit einer Meinung eingestiegen. Hält die Marke, bekommen sie recht. Bricht sie, müssen manche von ihnen raus. Ob daraus eine Bewegung wird, ist damit nicht gesagt. Aber man weiss, wem diese Stelle wehtut, und das ist eine andere Frage als die nach der Form der Kerze.
Als Ort gelten in diesem Beitrag:
- ·Tageshoch und Tagestief, das Hoch und Tief des Vortags
- ·der Schlusskurs des Vortags und die Eröffnungsspanne der ersten Handelsminuten
- ·eine Marke, die am gleichen Tag schon zweimal gehalten hat
- ·runde Zahlen
Mehr braucht es zunächst nicht. Je mehr Indikatoren dazukommen, desto leichter findet man für jede Situation irgendeine Begründung.
Die unbequeme Messung
Wir haben unser eigenes Werkzeug nachgerechnet, über ein Jahr Kursdaten: Wer alle erkannten Muster blind handelt, verliert. Ob es etwas ändert, die Muster nach ihrem Ort auszusortieren, ist damit nicht belegt. Das ist die offene Frage, und jeder kann sie an seinem eigenen Chart prüfen.
Dazu gehört auch, eigene Annahmen fallen zu lassen. Ein Kriterium, das wir für einen Pluspunkt gehalten haben, hat sich in der Auswertung nicht bestätigt und zählt heute eher als Warnsignal. Ein anderes sah zunächst hilfreich aus. Dann haben wir die Daten in zwei Zeiträume geteilt, und in der zweiten Hälfte war der Vorteil weg. Das ist unangenehm, wenn man es jemandem erklären muss. Aber eine Regel, die man nie überprüft, ist keine Regel, sondern eine Gewohnheit.
Was du am Abend in zehn Minuten tun kannst
Nimm den Chart des heutigen Tages und zeichne drei bis fünf waagrechte Linien ein, bevor du irgendein Muster suchst: Vortageshoch, Vortagestief, Vortagesschluss, das heutige Hoch und Tief. Erst danach suchst du Muster.
Dann sortierst du in zwei Stapel: Muster an einer Linie, Muster ohne Linie. Schau dir an, was in den nächsten Kerzen jeweils passiert ist. Nach zwei Wochen hast du eine kleine eigene Sammlung. Sie wirkt anders als jeder erklärte Grundsatz, weil sie aus deinem Instrument und deinen Handelszeiten stammt.
Wer beim Suchen Unterstützung will: Unser Lern-Indikator Max im «Trader-Cockpit mit Coach Max» markiert Muster, zeigt den Umfeld-Kontext dazu und beantwortet Fragen im Chat. Die Auswertung, was danach passiert ist, nimmt er dir nicht ab. Er handelt nichts und gibt keine Signale. Das Urteil bleibt bei dir.
Fazit
Muster zu erkennen ist der einfache Teil. Man lernt es in ein paar Wochen, und danach sieht man überall welche. Der schwierige Teil ist, ehrlich zu prüfen, ob der eigene Filter etwas ändert, statt es einfach anzunehmen.
Wer neben dem Beruf handelt, hat ohnehin nur wenig Zeit am Bildschirm. Zehn Minuten mit fünf Linien und zwei Stapeln geben dir eine Antwort aus deinen eigenen Daten. Das gilt auch dann, wenn die Antwort lautet, dass der Ort bei dir keinen Unterschied macht.
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Gespräch vereinbarenDieser Beitrag dient der Information und Weiterbildung. Er ist keine Anlageberatung und keine Handelsempfehlung. Der Handel mit Futures ist mit erheblichen Risiken verbunden: Verluste können den eingesetzten Betrag übersteigen. Handle nur mit Geld, dessen Verlust du verkraften kannst.