Mein System — worauf ich beim Traden achte
Kein Geheimnis. Kein Bauchgefühl. Sondern ein paar klare Regeln — und ein Werkzeug, das mir den Kopf freihält.
Im letzten Beitrag — Ein Trade. Den ganzen Tag gewartet. — habe ich beschrieben, wie ich einen ganzen Nachmittag abgewartet habe, bis das Signal kam. Die logische Frage danach: Woher weiss ich überhaupt, wann ein Signal da ist? Hier ist der ehrliche Blick hinter die Kulissen — ohne jede Regel bis ins letzte Detail zu verraten.
Was ich trade
Ich handle den ES-Future — den S&P 500 E-Mini — auf dem 5-Minuten-Chart. Mein Fenster ist die US-Handelssession am Nachmittag, wenn am meisten Bewegung und Liquidität im Markt ist. Kein Hin und Her über zehn Märkte, keine exotischen Instrumente. Ein Markt, ein Zeitfenster, immer dasselbe Setup. Genau diese Wiederholung ist der Punkt.
Worauf ich achte
Ich steige nicht auf ein einzelnes Signal ein, sondern wenn mehrere Dinge gleichzeitig in dieselbe Richtung zeigen — das nennt man Konfluenz. Vereinfacht sind das vier Bausteine:
- Die Richtung. Läuft der Markt klar mit dem Trend oder nur seitwärts in einer Range? In der Range halte ich still.
- Der faire Preis. Ich schaue, wo der Markt gemessen am Tagesdurchschnitt gerade steht — zu teuer, zu billig oder mittendrin.
- Die Kraft hinter der Bewegung. Hat ein Ausbruch wirklich Schwung, oder ist es nur ein Zucken, das gleich wieder in sich zusammenfällt?
- Die Bestätigung. Erst wenn das Momentum den Ausbruch mitträgt, ist die Bewegung für mich echt.
Solange diese Bausteine sich widersprechen, ist für mich kein Trade da. Erst wenn sie zusammenpassen, wird es interessant. Das ist der ganze Trick — und gleichzeitig der schwerste Teil, weil man ehrlich genug sein muss, ein halbes Signal auch ein halbes Signal sein zu lassen.
Das Werkzeug, das ich mit Claude gebaut habe
Hier kommt der Teil, den ich besonders spannend finde. Ich habe mir gemeinsam mit Claude, der KI von Anthropic, ein eigenes Werkzeug gebaut. Es ist direkt an meine Trading-Plattform angebunden und schaut bei jeder einzelnen 5-Minuten-Kerze auf den Markt.
Statt dass ich selbst die ganze Zeit auf den Chart starre und mich von Müdigkeit, Ungeduld oder Frust beeinflussen lasse, prüft das Werkzeug nüchtern, ob meine Bausteine zusammenpassen. Es gibt mir dann eine klare Einschätzung — eine Tendenz, eine Richtung, das Signal. Kein Gefühl, sondern dieselbe Logik, immer wieder, ohne dass der Tag, die Tageszeit oder meine Laune etwas daran ändern.
Die KI trifft nicht die Entscheidung — ich tue das.
Das Werkzeug nimmt mir die Emotion ab, nicht die Verantwortung. Es sagt mir, wann die Bedingungen erfüllt sind. Den Abzug drücke immer noch ich — und ich kann jederzeit „nein" sagen.
Der grösste Gewinn dabei ist nicht ein besseres Setup. Es ist Ruhe. Ich muss nicht mehr jede Kerze selbst bewerten und mich fragen, ob ich gerade etwas verpasse. Ich warte, bis das Werkzeug Bescheid gibt — und genau deshalb konnte ich neulich drei Stunden lang geduldig bleiben und am Ende mit einem einzigen, sauberen Trade die ganze Bewegung mitnehmen.
Warum ich das so offen erzähle
Weil ein System nichts wert ist, wenn man es nicht durchzieht. Die Indikatoren, die ich nutze, sind keine Geheimnisse — die kennt jeder. Der Unterschied liegt darin, sie konsequent und immer gleich anzuwenden, statt sich von der eigenen Stimmung treiben zu lassen. Genau dabei hilft mir die Technik. Den Rest macht Disziplin.
Du willst das komplette Setup — mit allen Regeln?
Dieser Beitrag ist bewusst die Vogelperspektive. Die exakten Einstiege, Stops und Regeln habe ich in unserem Strategie-Papier festgehalten — inklusive 2-stündigem Live-Webinar, in dem du mir direkt über die Schulter schaust.